Ernährung und Brot – das sind Begriffe, die für den Bochumer Bäckermeister Michael Koch ganz eng zusammen gehören. „Brot ist nahrhaft und wertvoll“, sagt er, „und dabei mit ca. 15 Cent pro Scheibe auch noch enorm preiswert.“ Das Brot sei die gesunde Energie-Basis. Der Belag macht dann den Unterschied, ob es ein guter, gesunder Happen wird, oder eine zu üppige Mahlzeit.

„Können Sie sich vorstellen, ohne Brot zu leben?“ fragt Koch und erinnert an seine Kindheit. Früher sei keine Suppe ohne Brotbeilage serviert werden. Dass man im Übrigen von hellem Brot dick werde bzw. dass dunkles Brot nahrhafter und gesünder sei, verbannt der Meister in den Bereich des Gerüchts. In südlichen Ländern, so argumentiert er, wird fast ausschließlich Weißbrot gegessen. „Und das erzeugt ein genau so lang anhaltendes Sättigungsgefühl wie dunkles Brot.“

„Unsere Produkte, unser Brot, sind natürliche Lebensmittel“, so Koch. „Bei uns werden keine Backmischungen verwendet. Wir vermahlen unser Korn, das zu 90 Prozent auch aus der Region stammt, in vielen Fällen selbst und wissen genau, was drin ist in unserem Sauerteig: Nämlich Salz, Hefe, Wasser und Mehl.“ Bei Roggenprodukten werde im Hause schon immer ausschließlich Vollkornmehl verwendet. „Das ist ein spezielles Mehl, das mehrfach gereinigt und gewaschen aber nicht gesiebt wird.“ Das bedeutet, dass die wesentlichen Vollkorn-Bestandteile noch enthalten sind.

Gutes lokales Bäckerhandwerk, das gibt es nicht mehr so häufig. Filialisten von außerhalb kommen auch nach Bochum. Als sich Michael Koch 1988 selbstständig machte, erinnert er sich, „gab es in Bochum noch 38, 40 handwerklich produzierende Bäckerbetriebe. Jetzt ist es noch rund ein Dutzend.“ Und die Zahl sei weiter abnehmend. An der Qualität der kleineren Bäcker kann das nicht liegen.

Brezeln für Rocker

Dass die Bäckerei Koch noch so gut aufgestellt ist, liegt an den Brezeln: Über die Saison beliefert man den VfL Bochum, Bayer Leverkusen und die Düsseldorfer Fortuna. Im Sommer pausiert der Fußball, aber Langendreer ist dennoch keine brezelfreie Zone, denn Mai und Juni – das ist Open Air-Saison. Dann heißt es „Koch goes Concert“: Die Brezeln aus Langendreer gibt's dann bei den Mega-Festivals „Rock am Ring“ und bei „Hurricane“ in Scheeßel.

„In diesem Jahr“, so Michael Koch, „haben wir auch noch drei Konzerte von ‚Unheilig‘ beliefert.“ Ein weiteres Highlight war der Musikevent mit der Band Coldplay im Kölner Stadion. Und die Messen Essen und Köln sind sowieso Kunde im Bochumer Osten. Stolz ist man auch darauf, dass man bei den letzten Weltmeisterschaften der Frauen und Männer jeweils drei Standorte beliefert hat

Während Koch sonst streng auf lokale Orientierung setzt, sind seine Brezeln gewissermaßen bundesweit in aller Munde. Diese langen Lieferwege kommen zustande, weil bei den meisten Großevents sich ein Generalcaterer darum kümmert, dass alle Besucher genug zu essen und zu trinken haben. „Mit mehreren dieser Firmen arbeiten wir schon länger zusammen, und es gibt auch nicht so viele Bäcker, die diese Menge handgemachter Brezeln stemmen können.

Große Brezelmengen – das bedeutet enorm viel Arbeit. Vor wenigen Tagen war Meister Koch mit dem eingespielten Backstuben-Team essen. „Das war ein Dankeschön für das Engagement meiner Leute, die sich in den letzten Monaten enorm reingehängt haben.“ Koch rechnet vor, dass seine Bäckerinnen und Bäcker – ohne zu murren – in der Konzertsaison zahllose Überstunden angesammelt hatten

Kundennähe, Präsenz in der Region und guter Service sind es, die Koch stark machen. Die Wege sind kurz, die Ware deshalb frisch. Das ist ökologisch. „Unsere individuellen Torten für jeden Anlass“, sagt der Chef außerdem, „gefielen sogar dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Ministerpräsident Wolfgang Clement hatte ihm eine geschenkt.